Pressemitteilung: Die Verfälschung des Andenkens an die Opfer der Shoah durch das ZPS

12.01.2020

Das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) hat am 02.12.2019 eine sogenannte Aktion unter dem Titel „Sucht nach uns“ begonnen. Vom ersten Tag der Aktion bis heute hat das ZPS in seinen Veröffentlichungen die behaupteten Probebohrungen in vermuteten Massengräbern mit dem vermeintlichen Willen von Opfern der Shoah begründet, aus deren Aufzeichnungen und Interviews das ZPS wörtlich, in Anführungszeichen und ohne Kennzeichnung von Auslassungen und fremden Einschüben zitiert hat: auf Websites und in den sozialen Netzwerken, bis die Falschzitate in bekannten Medien reproduziert wurden.


Aktuell schreibt das ZPS auf seiner Website:
Vor ihrem Tod schrieben sie: „Suchet weiter! Ihr werdet noch mehr finden!“ Das schreibt Salmen Lewenthal am 15.8.1944 in einen vergrabenen Brief. Salmen Gradowski (getötet 1944): „Teurer Finder, suche überall, auf jedem Zollbreit Erde. Suchet in der Asche. Die haben wir verstreut, damit die Welt sachliche Beweisstücke von Millionen von Menschen finden kann.“ Filip Müller berichtet in Lanzmanns Shoah: „Wir haben dafür gesorgt, dass die Welt sich in diese Erde graben würde.“


Das Zitat von Salmen Gradowski ist gefälscht. Es lautet im Original, zitiert nach der ZPS-Veröffentlichung „Die Wege der Asche“ von Hinnerk Höfling:
Teurer Finder, suche überall, auf jedem Zollbreit Erde. Unter ihr sind zehnerlei Dokumente eingegraben, die meinen und die von anderen, die ein Licht auf alles werfen, was hier geschehen ist. Auch eine Menge Zähne sind hier vergraben. Die haben wir, die Arbeiter der Kommandos, speziell auf dem Terrain verstreut, so viel man nur konnte, damit die Welt sachliche Beweisstücke von Millionen von Menschen finden kann.


Das ZPS hat das Zitat zunächst entkernt, so dass sich folgender Text ergibt:
Teurer Finder, suche überall, auf jedem Zollbreit Erde. Die haben wir verstreut, damit die Welt sachliche Beweisstücke von Millionen von Menschen finden kann.


Nachdem dem verfälschten Zitat nun die Information fehlt, wonach gesucht werden solle, ergänzte das ZPS den Einschub „Suchet in der Asche“, die deutsche Übersetzung des Titels der polnischen Erstausgabe der Aufzeichnungen des Shoah-Opfers Salmen Lewenthal aus dem Jahr 1964. Die Aufzeichnungen wurden 1961 in Auschwitz nach archäologischen Grabungen gefunden.


Mit dem Einschub ergibt sich dann das gefälschte ZPS-Zitat.
Teurer Finder, suche überall, auf jedem Zollbreit Erde. Suchet in der Asche. Die haben wir verstreut, damit die Welt sachliche Beweisstücke von Millionen von Menschen finden kann.


Anders als von Gradowski gefordert, soll der Finder seiner Aufzeichnungen keineswegs in den noch verbliebenen Aschegruben nach Dokumenten suchen, die mit den verstreuten Zähnen markiert wurden. Er und seine Helfer sollen auch Asche verstreut haben. Das Verstreuen der Asche wird von Salmen Gradowski in der ersten Aufzeichnung beschrieben, bevor die zitierte Aufforderung folgt. Es ist die SS, die vorhandene Massengräber öffnet, aus Leichen und aus Asche, Knochenreste kleinmahlen lässt und schließlich die Überreste in die Weichsel verbringt, um die Spuren des Massenmordes in Auschwitz für alle Zeit zu beseitigen.

Technisch gesehen ist das Verstreuen von Asche nicht sinnvoll. Weder ist verstreute Asche geeignet, einen Fundort zu markieren, noch ist sie dauerhaft, denn sie wird, da Asche aus kleinen und leichten Partikeln besteht, vom Wind verweht.


Da Salmen Gradowski ausweislich seiner Aufzeichnungen ein tief religiöser Jude war, hätte er willentlich und ohne Zwang gegen seine Religion verstoßen.


Das ZPS lässt Gradowski durch die Fälschung des Zitats die Arbeit der NS-Massenmörder machen und deklariert sie als Akt des Widerstands. Er und seine Helfer begehen eine Tat, die sinnlos ist; und das ZPS lässt ihn gegen seine Religion handeln.


Das ZPS hat das Andenken an das Shoah-Opfer Salmen Gradowski beschmutzt. Es reiht sich 75 Jahre nach der Befreiung des Wirtschaftskomplexes und Vernichtungslagers Auschwitz in eine zunehmende Zahl von Akteuren ein, die das Gedenken an und die Überlieferung der Opfer der Shoah zu eigenen Zwecken ausnutzen: Der zuletzt vom ZPS behauptete Spendeneingang beträgt 93.250 Euro.

Nachweise und weitere Informationen finden Sie in Kürze bei friedensdemowatch.com.

Ergänzung am 13.01.2020

Der Artikel von friedensdemowatch.com ist nun online und kann hier gelesen werden:

http://www.friedensdemowatch.com/2020/01/10/zentrum-fur-politische-schonheit-und-die-verfalschung-der-shoah/

Ergänzung vom 17.01.2020

Die Recherche wurde von @konlex09 auf Twitter durchgeführt und kann hier nachgelesen werden:

https://threadreaderapp.com/thread/1214622895693021186.html

Ergänzungen vom 20.01.2010

Der Spiegel schrieb zwischenzeitlich per Mail bestätigend zur Aufforderung, das gefälschte Gradowski-Zitat zu korrigieren:

„Der Artikel von Herrn Frank, auf den Sie Bezug nehmen, stammt von Anfang Dezember. Wie Sie selbst schreiben, wurde dies erst „kürzlich bekannt.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels auf unserer Seite wurde das Zitat Salmen Gradowski noch allgemein zugeschrieben.“

Eine noch ausführlichere Darstellung der missbräuchlichen Nutzung der Zitate von Shoah-Opfern durch das ZPS:

http://www.0x8000.de/2020/01/19/zps-nachweise-zur-verfaelschung-des-zitats-von-salmen-gradowski-und-zur-dekontextualisierung-weiterer-zitate/

Ein weiterer Beitrag – zur Verwendung eines Fotos durch das ZPS, das schwarze Archäologie zeigt:

https://threadreaderapp.com/thread/1217163088601997318.html

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