Corona-Truther: Samuel Eckert

Stand: 28.09.2020

Status: Unvollständiger Entwurf

Einführung

Samuel Eckert ist nach eigener Aussage ein Unternehmer aus Baden-Württemberg, der inzwischen in der Schweiz lebt. Nachdem sich Sars-CoV-2 nach Europa ausgebreitet hatte und europäische Regierungen Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus ergriffen, legte er sich einen YouTube-Kanal zu, der eine stets wachsende Abonnentenzahl verzeichnete, die am 20.09.2020 auf 142.000 Abonnenten angewachsen war.

Organisatorisch scheint er in das Umfeld von Querdenken-711 eingebunden zu sein. Auf der ersten deutschlandweiten Kundgebung von Querdenken-711 am 01.08.2020 war er als Redner vorgesehen, kam aber nach dem Abbruch der Versammlung durch die Berliner Polizei offenbar nicht mehr zum Zuge. Auf der zweiten deutschlandweiten Kundgebung von Querdenken-391 am 29.08.2020 moderierte er einen Teil des Bühnengeschehens.

Screenshot des YouTube-Kanals von Samuel Eckert vom 20.09.2020

„Die Juden“ – Eckerts Predigt in Lahr vom 07.12.2019

Am 07.12.2019 hielt Samuel Eckert als Laienprediger eine Predigt in der Gemeinde Lahr (Schwarzwald) der Siebenten-Tags-Adventisten. Der Titel lautete „Warum brauchst Du Erlösung?“

Die Gemeinde stellte die Predigt wie auch in anderen Fällen online. Zwischenzeitlich wurden alle in Lahr gehaltenen Predigten Eckerts gelöscht.

Screenshot der Website der Gemeinde Lahr mit der Eckert-Predigt vom 07.12.2019, angefertigt am 02.08.2020.

In der Predigt nimmt Eckert mehrfach in negativer Konnotation Bezug auf „die Juden“ als Kollektiv.

Auszug 1: „So machen wir es wie die Juden“

Eckert sagt:

„Aber wir stehen hier und sagen… Wie neulich ein Bruder, kommt zu mir und sagt: ‚Samuel, ich bin endlich getauft, und das Einzige, das ich noch tun muss, ist das Rauchen aufzuhören. Deshalb mach ich am Jahresende einen Raucherabgewöhnungskurs.‘ Und ich sage: ‚Bruder, Du solltest einen Herzenskurs belegen, und nicht einen Raucherabgewöhnungskurs. Denn so machen wir es wie die Juden, wir versuchen, den äußeren Schein zu wahren, und wir versuchen, die Angewohnheiten, die Adventisten nicht machen, los zu werden, damit wir vorne in der ersten Reihe sitzen und schön gestylt da stehen, aber keiner schaut an, wie es im Herz aussieht.'“

Predigt Samuel Eckert vom 07.12.2019
Audionachweis, Quelle: Website Gemeinde Lahr

Juden stehen für Samuel Eckert als Kollektiv dafür, „den äußeren Schein zu wahren“. Dem „äußeren Schein“ wird das „Herz“ gegenübergestellt. Dem „Wahren“ des „äußeren Scheins“ entspricht in Eckerts Beispiel das Abgewöhnen des Rauchens, das der Gesprächspartner in Aussicht stellt, um, neben der Taufe die Anforderungen der Gemeinde zu erfüllen. In verschiedenen christlichen Gemeinschaften sind der Genuss von Alkohol und Nikotin verpönt, als Begründung dient häufig der erste Korintherbrief. 1 „Der Körper ist der Tempel des Herren“ lautet eine bekannte Kurzfassung.

Was Eckert an seinem Gesprächspartner beklagt, ist die Werkgerechtigkeit, die für ihn nachrangig ist hinter der inneren Einstellung, dem „Herzen“. Dem Judentum spricht er damit kollektiv ab, mit dem Herzen zu glauben, sie werden schlichtweg zu religiösen Heuchlern. Damit bemüht er ein altes, antijudaistisches Motiv.

Auszug 2: „Denn dann bist du so wie die Juden“

Später sagt Eckert:

„Und deshalb sagt Jesus über die, die ihr Leben erhalten wollen, sie werden es verlieren. Die, die zu Christus kommen um ihretwillen, haben keine Chance. Denn dann bist du so wie die Juden, dann geht’s uns gut, dann sind wir da. Und alles andere ist egal. Aber wir vergessen, dass wir in dieser Welt sind zu einem einzigen Zweck: Um selbstlos zu sein, um Menschen zu gewinnen durch unser Leben.“

Predigt Samuel Eckert vom 07.12.2019
Audionachweis, Quelle: Website Gemeinde Lahr

Der erneut von Samuel Eckert gegen das Judentum als Kollektiv gerichtete Vorwurf lautet, die Juden würden glauben um „ihretwillen“, mit anderen Worten, das Verrichten g-ttgefälliger Werke würde allein darauf zielen, ihr „Leben“ zu „erhalten“.

Offenbar bezieht sich Eckert auf eine Bibelstelle in verschiedenen Evangelien, hier nach Matthäus 10,39: „Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“2

Ohne weitere Textexegese sei festgehalten, dass sich das Zitat zunächst auf ein Leben in einer radikalen Nachfolge des Nazareners im Diesseits bezieht3. Das ermöglicht es Eckert, die „Juden“ in ihrer „Diesseitigkeit“ als Schablone heranzuziehen. Er unterstellt ihnen Ich-Bezogenheit: Denn dann bist du so wie die Juden, dann geht’s uns gut, dann sind wir da.

Was Eckert sagt, ist argumentativ wie theologisch wenig sinnvoll. Was bleibt ist die Feststellung, Juden würden Werkgerechtigkeit üben um ihrer selbst willen, also zur Sicherung des eigenen Wohlstandes im Diesseits: „…dann geht’s uns gut“. Denn es sind zweifellos die Juden, denen es wohl immer irgendwie gut gehen muss.

Auszug 3: „Sünde in der Vorhaut des Mannes“

„Das nächste, das Jesus gegeben hat als Ziel um zu zeigen, das etwas in uns entfernt werden muss, war die Beschneidung. Wisst ihr, meine Lieben, was ist, gibt es Sünde in der Vorhaut des Mannes? Sagt’s mir. Sünde in der Vorhaut des Mannes, gibt es Sünde in der Vorhaut des Mannes? Nein. [Lacht] Eijeijei… [Unverständlich] Es gibt sie nicht. Denn Sünde ist immer eine geistige Sache. Das Fleisch kann nicht sündigen gegen G-tt. Wenn die Bibel von Fleisch spricht, meint sie die fleischliche [Ge]Sinnung. Denn Sünde ist immer eine Tat. Und alles, was von G-tt einen Geist bekommen hat, kann selber etwas tun. Es kann entscheiden, was es tun will. Frei oder unfrei, das ist eine andere Sache, aber es entscheidet selbst, was es tun will. Ihr entscheidet morgens, was ihr esst. Ihr entscheidet, was ihr tut. Ihr entscheidet, ob ihr so oder so aus dem Haus geht. Sünde ist immer eine Tat. Ein Baum kann nicht sündigen. Es ist ganz einfach. Die Beschneidung war dazu da, um dem Volk Israel zu zeigen, dass was? – beschnitten werden muss. Paulus schreibt: Das, das Herz. Haben die Juden es verstanden? Was haben die Juden daraus gemacht? Die haben gesagt: Wenn du dazu gehören willst, dann? [Geräusch] Und dann ist es erledigt. Wisst ihr meine Lieben, das ist dieses Verhalten, was die Juden damals gezeigt haben, ist genau das Gleiche, das wir heute zeigen bei der Taufe.“

Predigt Samuel Eckert vom 07.12.2019
Audionachweis, Quelle: Website Gemeinde Lahr

Ein Unterschied zu den vorstehenden Auszügen ist die Referenz in die Vergangenheit: was die Juden damals gezeigt haben. Damals kann im gegebenen Kontext nur die Zeit des Neuen Testaments sein, damit ist der Hinweis auf Paulus maßgebend. In der Apostelgeschichte 7, 51 heißt es: „Ihr, halsstarrig und unbeschnitten an Herzen und Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr.“ Das allerdings ist die Anklage von Stephanus gegen den jüdischen Rat.

Stephanus zitiert die Hebräische Bibel: Darum seid endlich nicht mehr widerspenstig! Am Körper seid ihr beschnitten, aber ihr müsst auch euer Herz beschneiden!4

An keiner Stelle wird der Ersatz der Beschneidung, Zeichen der Zugehörigkeit zum Bund zwischen G-ott und dem Volk Israel, durch eine Beschneidung des Herzens gefordert. Was G-tt von seinem Volk als Beschneidung des Herzens fordert, folgt in 5. Mose 10, 17 ff: Recht für Witwen, Waisen und Fremde; ein frühes Konzept der Geichberechtigung über die Schranken von Familie und Stamm hinaus.

Paulus bezieht sich in Kolosser 2, 11 auf die Beschneidung: In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, durch Ablegen des sterblichen Leibes, in der Beschneidung durch Christus. Im Vers 13 wird das Fehlen der Beschneidung zu einem Makel: Und G-tt hat euch mit ihm [Jesus aus Nazareth] lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.

Auch hier gibt es keineswegs die Forderung an das Judentum, die Beschneidung aufzugeben. Eckert liegt also vollkommen falsch, wenn er de facto behauptet, das Volk Israel habe die Forderung nach der Beschneidung des Herzens zu Zeiten von Paulus ersetzt durch die Beschneidung der Vorhaut, die auf Abraham zurückgeht, siehe 1. Mose 17, 9: Und G-tt sprach zu Abraham: So halte nun meinen Bund, du und deine Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht. 10 Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinen Nachkommen: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; 11 eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch.

Die Beschneidung als Zeichen des Bundes wird von G-tt vorgegeben, das Volk Israel, zu jener Zeit Abraham, seine Familie und sein Gefolge, haben keine Wahlmöglichkeit.

Adventisten halten gemäß ihrer schriftlich niedergelegten Glaubensüberzeugungen die Hebräische Bibel, das Alte Testament, und das Neue Testament für G-ttes unverfälschtes Wort.5 Eckert trennt gegen die Bibel die Verbindung zwischen dem Volk Israel und G-tt, indem er die Beschneidung der Vorhaut als Zeichen des Bundes zu einem Trick des Judentums umdeutet. Die Juden, so Eckert, hätten G-tt betrogen.

Auszug 4: Das Königreich der Himmel

Seht ihr, meine Lieben. Wir müssen erkennen, wer wir sind. Und der Umkehrschluss daraus muss heißen: Tut Buße und bekehrt euch, denn das Königreich der Himmel ist nahe. Und, meine Lieben, wer die Politik draußen verfolgt, wer die Geschehnisse der letzten Zeit verfolgt – ich hab heute… ich hab jetzt sogar neulich, letzte Woche war’s, gehört, es gibt in Deutschland einen Radiosender, es gibt da diese Meldehotline, dass man die Leute, die rechtes Gedankengut oder anderes Gedankengut haben als der Mainstream, die kann man jetzt bei einer Telefonhotline melden. Das ist in Deutschland mittlerweile… jetzt gang und gäbe. Und es wär gut so, ja? Meine Lieben, es ist der Anfang vom Ende. Es ist die totale Kontrolle. Es werden die digitalen Währungen eingeführt, die Welt ist wirklich vorbereitet. Und die Botschaft an uns lautet: Tut Buße und bekehrt euch, denn das Königreich der Himmel ist nahe. Das Volk wird gebraucht. Das Volk ist nicht bereit. Und wir sind das Volk. Wir sterben aus Mangel an Erkenntnis. So erlangt die Erkenntnis mit allem, wie es in Sprüche 3 und Sprüche 4 steht. Alles was ihr habt . Sie ist kostbarer als Gold, sie ist wertvoller als Perlen, und all deine Schätze sind ihr nicht zu vergleichen. In ihrer rechten Hand ist langes Leben, in ihrer linken Hand Freude und Ehre.6 [Undeutlich] Salomo spricht kapitelweise darüber. Meine Lieben, ringt um Erkenntnis. Erkennt, wer ihr seid. Und seid dankbar für das, wenn ihr in die Versuchung geratet. Es ist keine… Am Anfang ist es nicht schön, aber in dem Moment, in dem ihr drin seid, erinnert euch an Jakobus 1, [Undeutlich] vor lauter Freude. Denn das ist der Prozess, den ihr braucht, um zu einem perfekten Menschen heranzuwachsen, dem es an nichts mangelt. Und das muss unser Ziel sein. So möge uns G-tt die Gnade schenken, dass wir eines Tages, so es sein Wille ist, alle an dieses Ziel kommen mögen. Amen.

Predigt Samuel Eckert vom 07.12.2019
Audionachweis, Quelle: Website Gemeinde Lahr

Presse/Literatur

Lars Wienand: „Mit dem netten Querdenker Samuel Eckert in die Apokalypse“

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_88633476/samuel-eckert-von-querdenken-geht-mit-bodo-schiffmann-im-luxusbus-auf-corona-info-tour.html


  1. Siehe z.B. 1. Korinther 6, 19: „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von G-tt habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“ https://www.bibleserver.com/LUT/1.Korinther6

    Sieh dazu auch die Glaubensüberzeugungen der Siebenten-­Tags­Adventisten, Nr. 22: „… Weil wir uns nicht schaden wollen, enthalten wir uns auch alkoholischer Getränke, des Tabaks, jeglicher Drogen und lehnen den Missbrauch von Medikamenten ab.“

    https://www.adventisten.ch/fileadmin/adventisten.ch/files/dateien_pdf/28_Glaubensueberzeugungen_2015_DE_Web.pdf  

  2. https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us10%2C39 

  3. siehe Verse 34 bis 38 

  4. 5. Mose 10, 16

    Nach GNB: https://www.bibleserver.com/GNB/5.Mose10%2C16

    Jeremia 9, 25: „… Denn alle diese Völker – auch die Leute von Israel – sind für mich unbeschnitten, weil sie ihr Herz nicht beschnitten haben!“

    Nach GNB: https://www.bibleserver.com/GNB/Jeremia9%2C25 

  5. Siehe Nr. 1: Die Heilige Schrift –Altes und Neues Testament –ist das geschriebene, durch göttliche Inspiration Menschen anvertraute Wort G-ttes. Die inspirierten Autoren redeten und schrieben unter dem Einfluss des Heiligen Geistes. In diesem Wort hat G-tt den Menschen alles mitgeteilt, was zu ihrer Errettung nötig ist. Die Heilige Schrift ist die höchste, maßgebliche und unfehlbare Offenbarung seines Willens. Sie ist der Maßstab für den Charakter und der Prüfstein aller Erfahrungen. Sie ist die endgültige Offenbarungsquelle aller Lehre und der zuverlässige Bericht von G-ttes Handeln in der Geschichte. https://www.adventisten.ch/fileadmin/adventisten.ch/files/dateien_pdf/28_Glaubensueberzeugungen_2015_DE_Web.pdf 

  6. Vergleiche Sprüche 3, 13 bis 16:  Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt! 14 Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold. 15 Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen. 16 Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre. https://www.bibleserver.com/LUT/Spr%C3%BCche3